1966 zog Peter Schütt in die Eppendorfer-Landstraße. Die große Altbauwohnung in Eppendorf wurde zu einer intellektuellen, literarischen und politischen Produktions- und Begegnungsstätte. Die Literarische Produktionsgesellschaft wurde gegründet, außerdem ein Verlag, in dem die WG u.a. “Garstige Weihnachtslieder“ herausbrachte. Man traf sich bei Borchers und bei Onkel Pö. Direkt über dem Borchers hatte Otto Waalkes sein Atelier. In dieser sehr bewegten Zeit formierte sich die RAF, die auch unter Baader-Meinhoff bekannt wurde. Peter Schütt erlebte es, dass spät abends in der WG angerufen wurde, weil einer der RAF-Mitglieder Unterschlupf für die Nacht suchte. Ein solcher Gast war unangenehm, er stellte Forderungen, terrorisierte die WG-Bewohner und akzeptierte deren Meinung nicht.

Zu einem Höhepunkt für die Eppendorfer Intellektuellen kam es nach dem Mord an dem Freiheitskämpfer Che Guevara 1967 in Bolivien, als dessen Mörder Generalkonsul in Hamburg wurde. Eine gut aussehende Frau mit dem Namen Monika Ertel erschien auf der Bildfläche. Ihr Nazi-Vater war am Ende des Krieges nach Bolivien entkommen. Sie war eigens dafür nach Hamburg gereist, um den Mörder Che Guevaras zu erschießen. Für die Eppendorfer war es Anlass genug die nun vollzogene Gerechtigkeit an der Friedenseiche zu feiern.

1971 wurde der Verband deutscher Schriftsteller gegründet. Martin Walser, Uwe Timm und andere Autoren gingen in der WG in Eppendorf ein und aus. Als sich der linken Szene zuordnend brachte man Hafenarbeiter mit den Autoren zusammen. Herr Schütt erinnert sich, wie diese mit Schlips und Kragen erschienen, während die Gastgeber Sweatshirts oder Pullover trugen.

Aus heutiger Sicht dienten alle Aktionen der Wegfindung und waren somit Identitätsstiftend für gewisse Durchgangsphasen. Enttäuschend findet Peter Schütt diejenigen, die sich damals für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten einsetzten und sich dann selber recht schnell etablierten.